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Der literarische Solitär (ProgrammZeitung, Juni 2010) Wie jedem Jungautor, der hinter seinen Erstling gerade den Schlusspunkt gesetzt hat, konnte es mir nicht schnell genug gehen. Kurz vor Weihnachten 1979 brachte ich mein Manuskript gleich persönlich vorbei, was Verleger nicht sonderlich schätzen. Doch man kannte sich vage. Ich war Kulturredaktor bei der BaZ, und der Lenos Verlag hatte sich eben vom Kollektiv mit 400 Franken Startkapital zu einer AG und zu einem respektablen Haus für Schweizer Literatur gemausert. Neben Sachbüchern (z.B. zur Drogen- und Medienpolitik), den Schriften des Philosophen Hans Saner oder dem von Regula Renschler eingebrachten Bestseller Wer sagt denn, dass ich weine – Geschichten über Kinder in Afrika, Asien und Lateinamerika waren die Zugpferde damals Guido Bachmann und Heinrich Wiesner.
Nun ging’s erst richtig los. In Zusammenarbeit mit dem Spezialisten Hartmut Fähndrich wurde Lenos ab 1983 zu einer ersten Adresse für Literatur aus dem arabischen Raum – mit jetzt über hundert Titeln. Ein weiteres Standbein legte sich der Verlag mit Schreibenden aus der Romandie zu: mit Nicolas Bouvier, Jacques Chessex, Ella Maillart, Alice Rivaz und Yvette Z’Graggen, aber auch mit dem Werk des Wahlfranzosen Blaise Cendrars.
Und: Der Verlag floriert, 40 Jahre nach seiner Gründung, in einem Umfeld, wo das beileibe keine Selbstverständlichkeit ist. Das Erfolgsgeheimnis? Heidi Sommerer und Tom Forrer, die das von einer Viererbande im 68er-Geist initiierte Selbstausbeutungs-Unternehmen laufend professionalisierten, waren nicht einfach Schöngeister oder politische Idealisten, sondern hatten sich ihre Sporen in der Verlagsbranche abverdient. Sie setzten auf eigene Produktionsmittel und stellten die Druckvorlagen schon früh selbst her.
Am Spalentorweg, wo Tom Forrer und Christoph Blum heute das Geschehen prägen, werden die Bücher in einer reichhaltigen Backlist möglichst lange verfügbar gehalten. Dauerseller, die immer wieder ein neues Publikum finden, sind so auch der Libyer Ibrahim al-Koni (Die Magier) oder der Sudanese Tajjib Salich (Zeit der Nordwanderung). In fünfter Auflage gefragt ist die aus Kamerun stammende Axelle Kabou mit ihrem kritischen Buch zur Entwicklungspolitik (Weder arm noch ohnmächtig). Mit der Biologin Florianne Koechlin hat Lenos eine weitere erfolgreiche, ebenso engagierte wie lustvoll schreibende Sachbuch-Autorin an Land gezogen. Für die »schöne« Literatur aus nah und fern ist das Haus am Spalentorweg in der einst bedeutenden Verleger- und Druckerstadt Basel heute ein Solitär.
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